Ausgabe vom 02.05.2026 Seite 45

Suchbegriffe 02.05.2026    45


Es fehlt ein Kanzler mit Format Historiker Götz Aly über das Nachkriegsdeutschland und die wunderbare Vielfalt Europas In den Gedanken der Studentenbewegung von 1968 sieht der Historiker Götz Aly viel „postnationalsozialistischen Dreck“. Im Interview spricht er, der Zeitzeuge der Nachkriegszeit, über die Arroganz seiner Generation und sagt, warum die Politik heute mutige Reformer braucht.Von Philipp Ebert und Burkhard Ewert H err Aly, Sie befassen sich als Historiker von Berufs wegen mit der Geschichte – aber inzwischen sind Sie selbst Zeitzeuge, wenn man so sagen darf. Sie sind ein intimer Kenner der 68er-Szene und der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte und der „Boomer“-Generation, wie man heute sagen würde … Ach Gott, ja, 1968. Das stimmt. Ich bin ein 68er. Was waren wir stolz. Und was waren wir doch auch geprägt und verblendet von den Jahren und Generationen vor uns. Rückblickend erscheint es mir einerseits wenig überraschend, andererseits verstörend. Wie meinen Sie das? Wir waren ja die Ersten, die ziemlich spät und ohne weitere Vorbereitung mit den mörderischen Abgründen der jüngsten deutschen Geschichte konfrontiert wurden. Nach anfänglichem Interesse ergriffen wir – durchaus ...