Ausgabe vom 10.01.2026 Seite 35

Suchbegriffe 10.01.2026    35


Die weiße Taube des Rif Weltkulturerbe Tétouan Andalusischer Esprit, marokkanische Gelassenheit und ein Hauch mediterraner Melancholie: In Tétouan, der „weißen Taube“, weht ein anderer Wind – leiser, wärmer, poetischer. Karsten-Thilo Raab Wer sich von Tanger aus entlang der Küste Richtung Südosten Marokkos aufmacht, entdeckt eine Stadt, die sich nicht direkt aufdrängt: Tétouan schmiegt sich hell und selbstbewusst an die Ausläufer des Rif-Gebirges. Zwischen Olivenhainen und den satten Farben des Mittelmeers liegt eine Stadt, die zugleich ein wenig verschlafen und quicklebendig ist, geheimnisvoll und einladend, alt und immer wieder neu. Von Weitem wirkt sie wie ein Schwarm weißer Häuser, der gerade zum Himmel aufsteigen will – vielleicht trägt sie deshalb den Beinamen „weiße Taube“. Wer näher kommt, der hört bald das vertraute Konzert aus knatternden Mopeds, Marktschreiern und dem leisen Flügelschlag der Geschichte. Nach der Vertreibung der Mauren aus Spanien fanden viele in Tétouan eine neue Heimat – und mit ihnen kamen kunstvolle Architektur und ein Hang zu ästhetischer Perfektion, der sich bis heute in jedem Mosaiksteinchen, in prachtvoll geschnitzten Holztüren und eleganten ...